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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Deutsche Redewendungen und ihr Ursprung


Leif
22.10.2006, 16:02
"Da liegt der Hase im Pfeffer "
Bei diesem Hasen dreht es sich nicht um einen lebenden Hoppelmann, sondern um einen als Speise zubereiteten Hasen. "Pfeffer" war früher eine beliebte Soße oder Brühe, die mit Pfeffer und anderen Gewürzen abgeschmeckt wurde, in dieser wurde der Hase eingelegt.

Wichtiger Bestandteil des "Hasenpfeffers" ist Hasenblut, das aber oft durch Rotwein ersetzt wird. Mit der Redensart bezeichnet man ja den Punkt, auf den es bei einer Sache besonders ankommt. Also vergleichbar dem Fleischanteil bei dieser Beize.

"Schindluder treiben"
Ein "Schindluder" war ein todkrankes Tier, das zum Schinder (zum Abdecker) kam. "Luder" hieß das Fleisch von so einem Tier, das als Lockfutter für Raubwild benutzt wurde. "Schindluder" war also ein grobes Schimpfwort, wurde aber auch schon mal scherzhaft benutzt.
Wenn jemand die u. U. derben Späße seiner Freunde satt hat, ruft er aus "ich lass' doch nicht Schindluder mit mir spielen". Er lässt sich also nicht behandeln, wie ein dem Tod geweihtes Tier.

"mit seinem Latein am Ende sein"
Latein war im Mittelalter die Sprache der Gelehrten. Es wurde auch im übertragenden Sinne für "Wissen" und "Wissenschaft" benutzt. Wer mit seinem Latein am Ende ist ist also mit seinem Wissen am Ende, er weiß nicht mehr weiter.

"jemanden den Hof machen"
Die Redensart bedeutet heute ja "um jemanden werben", meist im Sinne von "sich um Zuneigung bemühen".
Sie leitet sich ab aus den Sitten der feinen Gesellschaft. Der "Hof" war die Umgebung des Fürsten, jeder der ihm diente gehörte zu seinem Hofstaat. Und wer für ihn arbeitete, "machte ihm den Hof". Von der diensteifrigen Art der Höflinge leitete man die Bezeichnung ab für das werbende Huldigen um die Gunst einer angebeteten Person.

"jetzt ist der Groschen gefallen"
Die Redensart hat kommt von den Münzautomaten. Der Groschen löst dort ja einen Mechanismus aus und das wurde mit einem "Denkmechanismus" gleichgesetzt.

"in die Bresche springen"
Der Ausdruck stammt aus dem älteren Kriegswesen. Eine "Bresche" ist eine Lücke in einer Festungsmauer. Ursprung des Wortes ist der Gleiche wie von dem Wort "brechen". Wer in die "Bresche springt" hilft anderen in einer brenzligen Situation, weil er, bildlich gesprochen. eine gefährliche Lücke verteidigt.

"Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht"
Diese Redensart ist eine Verballhornung, gebildet aus mehreren anderen:
Das schlägt dem Fass den Boden aus
das setzt dem Ganzen die Krone auf
das ist ein Schlag ins Gesicht
Gemeint ist einerseits, dass der Böttcher die Fassreifen zu stark aufschlägt und so der Fassboden herausspringt.
Andererseits wurde früher Weinverkäufern, die schlechten Wein angeboten hatten, die Böden ihrer Fässer zerschlagen, damit sie ihre Ware wirklich niemandem mehr anbieten konnten.

Arsch auf Grundeis
In der Redensart bezieht man sich auf das Losbrechen des Grundeises nach der Frostperiode. Dieses Losbrechen geschieht unter erheblichem Lärm und wird mit den Magengeräuschen verglichen die beim Durchfall als Begleiter von Angst und Feigheit auftreten.

Die Redensart ist seit Mitte des 18. Jhds belegt, aber sicher älter.

Jmd. auf Trab bringen
Bei allen Redewendungen in denen "Trab" oder "Trapp" vorkommt, bezieht man sich auf die schnelle Pferdegangart (s. "Trabrennen"). Im Gegensatz zum "Schritt" ist Trab schon bedeutend zügiger wenn auch nicht so schnell wie Galopp.

Wie ein Berserker wüten
Im Altnordischen beizeichnete man jemanden voller ungezügelter Angriffswut als Berserker. Eigentlich meinte man damit anfangs nur das Bärenhemd, das der durchschnittliche skandinavische Krieger trug ("serkr" = "Hemd", "ber" = "Bär").

Die Recken wollten damit die Kraft des getöteten Tieres auf sich übertragen. Gelungen ist es ihnen am ehesten mit dem Gestank...

"Berserker" wurden später die Männer genannt, die durch die Fellklamotten so furchterregend aussahen (und rochen), dass man von ihnen sagte, sie könnten kurzzeitig die Bärengestalt annehmen. So ähnlich wie Werwölfe.

Allerdings ist auch eine etwas andere Herleitung möglich, und zwar aus den Begriffen "ber" = "bar, bloß" und "serkr"= "Hemd, Waffenrock", also jemand der "ohne Hemd", d. h. ohne Rüstung, in den Kampf zieht.

Aufschneider
Das ist ja bekanntlich jemand, der unwahre Heldentaten zum Besten gibt Æ würde ja keiner von uns je tun, oder?

Vollständig lautete die Redensart im 17. Jahrhundert: "Mit dem großen Messer aufschneiden". Man gebrauchte diese Formel, wenn einer allzu große Stücke auftischte. Zu der Redensart existieren unzählige Geschichten, in denen mit großen Messern hantiert wird.


Die volle Breitseite
Jemand, der ungebremsten, schonungslosen Attacken ausgesetzt wird, kriegt bekanntlich "die volle Breitseite" ab. Der Begriff stammt aus dem vielseitigen Sprachschatz der Kriegsmarine, als die Kanonen eines Schiffes noch unter Deck aufgestellt waren. Eine "Breitseite" (Englisch: "broadside") bezeichnet das gleichzeitige Abfeuern aller Geschütze auf der dem Gegner zugewandten Seite des Schiffes.

Dalli, Dalli!
Die Redewendung ist nicht alleine durch die klassische Abendunterhaltung mit Hänschen Rosenthal in unser aller Munde.

Die Redensart hat das "flink, flink" aus dem deutschen Wortschatz weitgehend verdrängt. Seinen Ursprung hat das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im deutschen Raum bekannte "dalli" im Polnischen "dalej" = "vorwärts".

Leif
22.10.2006, 16:05
Frosch im Hals
Das Amphib im Schlund hat seinen Namen vom medizinischen Fachbegriff "ranula" einer Geschwulst im Hals. Der lateinische Name des Frosches ist ja "rana" daher eignete er sich hervorragend für ein Wortspiel.

Bratkartoffelverhältnis

Der Ausdruck stammt noch aus dem ersten Weltkrieg und bezeichnete damals eine kurzfristige Liebesbeziehung, die besonders wegen der besseren Verpflegungsverhältnisse eingegangen wird.

Heute wird er meist als Synonym zur "wilden Ehe" benutzt.


Jemandem eine Abreibung verpassen
Die "abreybung" ist ein Begriff aus der Tierpflege. Allerdings werden hier die Tiere natürlich nicht verprügelt, sondern gesäubert. Durch Striegeln und Reiben wird das Fell gesäubert.

Der Begriff ist schon seit dem 17. Jahrhundert belegt. Seine heutige Bedeutung, im Sinne von "Bestrafen", hat er wohl erst seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Kunterbunt
Das Wort "kunterbunt" stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommt eigentlich von "contrabund" also "Kontrapunkt" (Lateinisch "contra" = "gegen"; "punctus" = "Stechen, Punkt"); es bedeutete auch damals schon "vielstimmig".


Das sind doch olle Kamellen
Damit sind nicht die noch aus dem letzten Rosenmontagszug übrig gebliebenen Süßigkeiten gemeint, sondern Kamillenpflanzen. Wenn man Kamille zu lange lagert gehen Aroma und Heilkraft verloren. Mit den alten Kamillen kann der Apotheker nichts mehr anfangen.


Für Gotteslohn arbeiten
Wenn man von jemandem verlangt, er solle "für Gotteslohn arbeiten", dann meint man nicht einen Lohn, wie ihn ein Gott gibt, sondern einen Lohn, den Gott geben soll (statt des Menschen, der ihn eigentlich bezahlen müsste).

"Für Gotteslohn" bedeutet also in den meisten Fällen "unbezahlt".

Nur nicht hudeln
Nicht vorschnell handeln. "Hudeln" ist ein alter Handwerkerausdruck, der, neben anderen, auch die Bedeutung "schlampige Arbeit" hat. Aus dem Jahre 1741 kennt man die Wendung "die Arbeit schnell weghudeln".

Ein echter Dauerbrenner
Ein permanenter Erfolg, vor allem im Showbereich, wird gerne als "Dauerbrenner" bezeichnet. Eigentlich war ein "Dauerbrenner" ein Ofen, der mit lang brennendem Material (Briketts etc.) befeuert wurde. Mit der modernen Zentralheizung verschwand der Ofen, nicht aber die Redensart.

Einen Denkzettel bekommen
Im hansischen Recht (15. Jahrhundert) kannte man schon den "Gedenkzettel". Es handelte sich um eine schriftliche Mitteilung des Gerichtes, vergleichbar unserer heutigen Vorladung. Später benutzte man den Begriff allgemein für "schriftliche Mitteilung".

Auch in Jesuitenschulen wurde später Schülern, die irgendwelche schlechten Eigenschaften erkennen ließen, vom Lehrer ein "Denkzettel" ausgehändigt, auf dem der Fehler verzeichnet stand. Der Schüler musste den Zettel ständig bei sich tragen. Da mit dem Denkzettel oft auch, selbstverständlich didaktisch unverzichtbare, körperliche Bestrafungen einhergingen, hat das Wort heute eine eher negative Bedeutung.


Böhmische Dörfer
Unbekannte oder unverständliche Dinge werden schon seit dem 16. Jahrhundert als "Böhmische Dörfer" bezeichnet. Die Deutschen hatten leichte Sprachprobleme mit den Ortsnamen im böhmischen Gebiet, da sie die tschechischen Namen nicht verstehen, geschweige denn aussprechen konnten.

Richtig gebräuchlich wurde die Redensart aber nach dem Dreißigjährigen Krieg. Damals wurde Böhmen derart verwüstet, dass kaum noch unzerstörte Dörfer übrig blieben. Als "Böhmisches Dorf" galt daher auch etwas, das es eigentlich nicht mehr gab.


Eine Fahrkarte schießen
Schützen bezeichnen so einen Treffer, der die Zielscheibe außerhalb der Ringe trifft. Das sieht dann so aus, als hätte ein Schaffner eine Fahrkarte abgeknipst, also entwertet. Trifft der Schütze überhaupt nichts, erhält er die Meldung "Fehlanzeige".


Unter der Fuchtel sein
Jemand der in strenger, sogar erzwungener Ordnung leben muss, lebt "unter der Fuchtel" von jemandem.

Die "Fuchtel" ist eigentlich ein stumpfer, breiter Fechtdegen (daher kommt auch "herumfuchteln" Æ wieder was gelernt), der zum Sinnbild harter militärischer Zucht wurde.


Gang und gäbe
Ein Stabreim, der aus den Worten "gang", also "dem was unter den Leuten umläuft (gängig) ist" und "gäbe", Mittelhochdeutsch "gaebe" = "angenehm, gültig", zusammengesetzt ist.

Damit bezeichnete man ursprünglich die im Umlauf befindliche, gültige Währung. Im Laufe der Zeit wurde der Ausdruck immer mehr für alles, was Sitte oder Brauch, ist angewandt.

Sich auf den Lorbeeren ausruhen
Dass es nicht gut ist, sich nach einem Erfolg nicht weiter anzustrengen, wusste schon Königin Luise von Preußen. 1808 schrieb sie ihrem Vater: "Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren." Sie meinte die Erfolge Friedrichs des Großen.


Schema F
Gleichförmige Abläufe sind nach dem preußischen, immer gleich aufzusetzenden Frontrapport benannt Æ der wurde mit "F" bezeichnet.


Gedöns um etwas machen
überflüssiges Getue wird gerne auch als "Gedöns" bezeichnet. Der Ursprung des Wortes liegt in Norddeutschland und geht auf das alte Wort "gedense" = "hin- und herziehen" zurück.

Mit "Getöne", also viel Lärm um etwas machen, hat das also nichts zu tun.


Jemanden mit Rat und Tat unterstützen
Damit meint man, jemandem mit Dingen und Leistungen helfen. "Rat" bezeichnete früher alles, was gut fürs leibliche Leben war. Wir kennen ja noch den "Hausrat", den "Vorrat" und alle möglichen "Geräte".


Alle Jubeljahre
Das Jubeljahr oder "Halljahr" kehrte bei den Israeliten alle 50 Jahre wieder. Es wurde mit Posaunen im ganzen Land bekannt gegeben. Mit dem Brauch sollte der Verarmung der Bevölkerung entgegengewirkt werden, da in diesem Jahr alle Schulden erlassen wurden. Schöner Brauch, gell?

Auch in der christlichen Welt wurde ein solcher Brauch eingeführt. Das Jubel- oder Gnadenjahr sollte sich alle 100 Jahre wiederholen. Der Zeitraum wurde dann aber auf 50, 33 und zum Schluss 25 Jahre verkürzt. Das letzte Jubeljahr war übrigens das Jahr 2000.

Das "jubeln" findet sich auch noch in unserem Begriff "Jubiläum".

Unter aller Kanone
Darunter versteht man nicht den Boden unter der Artillerie, sondern etwas, das unter jedem "Kanon", d.h. unter jedem Maßstab liegt.

Das Geschütz, die "Kanone" hat seinen Namen übrigens von Italienisch "canna" für "Rohr".

Arm wie eine Kirchenmaus
In Kirchen gibt es keine Vorratskammern. Daher ist die ärmste aller Mäuse eben die Maus, die in der Kirche wohnt. Auch im Französischen sorgt man sich um die "rat dͳglise".


Ein komischer Kauz
Der Kauz, der als Nachtvogel oft gegen die Fenster der auch nachts erhellten Krankenstuben flog, wurde, im Aberglauben, zum Totenvogel, den es zu meiden galt.

Im 16. Jahrhundert wurde der Begriff "Kauz" dann immer mehr zur Bezeichnung für menschliche Sonderlinge oder menschenscheue Außenseiter, die man mit dem "lichtscheuen", bei Tage selten anzutreffenden, Vogel verglich.

Quelle: w-akten.de

Jupiter
04.12.2006, 11:24
"durch Abwesenheit glänzen"

Die Redewendung wurzelt in einer Tradition der Römer. Bei Bestattungen wurden Bilder vo Vorfahren des oder der Verstorbenen im Trauerzug dem Leichnam vorausgetragen. Als Junia, die Witwe des Generals Gaius Cassius Longinus und Schwester des des Politikers Marcus Iunius Brutus zu Grabe getragen werden sollte, berichtete der Geschichtsschreiber Publius C. Tacitus in den "Annalen": "Aber Cassius und Brutus leuchteten gerade dadurch hervor, dass ihre Bildnisse nicht zu sehen waren."

Darki
14.12.2006, 21:18
Das ist ja auch mal ein geiles Thema. Ich muss mal gucken, ich habe auch einige Redewendungen mit Erklärungen woher das kommt. Ich kram die Teile mal raus und führe sie hier dann auf!