Ahnenerbe
04.02.2007, 15:06
das ist bis 1903: Richard Nikolaus Graf von Coudenhove, 1903–1919: Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi
geb. Tokio (Tōkyō), 16. November 1894
gest. Schruns, Vorarlberg, 27. Juli 1972
Schriftsteller und Politiker, Gründer der Paneuropa-Bewegung
http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Coudenhove_Kalergi_Richard_Nikolaus_Bild_sma ll.jpg
Richard Nikolaus Graf Coudenhove, Sohn des Diplomaten und Schriftstellers Heinrich Johann Marie Grafen von Coudenhove (seit 1903: Coudenhove-Kalergi; 1859–1906) und der aus altem japanischem Geschlecht stammenden Maria Thekla Coudenhove, geborene Mitsu Aoymama (1874–1941), sowie Bruder der Schriftstellerin Ida Friederike (bis 1919: Gräfin) Coudenhove-Kalergi, verheiratete Görres (1901–1971), wuchs in Böhmen auf Schloss Ronsperg (Poběžovice, Tschechische Republik) auf und besuchte die Schulen in Pilsen (Böhmen; Plzeň, Tschechische Republik) und Brixen (Tirol; Brixen / Bressanone, Italien), schließlich 1903 bis 1913 das Theresianum in Wien. Anschließend studierte er Philosophie und Geschichte an den Universitäten Wien und München und wurde 1917 an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.) promoviert. Seit 1917 war er als Journalist bei österreichischen und deutschen Zeitungen wie Zeitschriften in Wien tätig, nahm aber 1919 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. 1922 wurde er Mitglied der Freimaurer (Loge »Humanität«, Wien).
1923 gründete Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi die »Paneuropa-Union« mit Sitz in Wien; Ziel war der politische Zusammenschluss der europäischen Staaten unter Ausschluss der Sowjetunion. Seit 1924 gab er deren Organ, »Zeitschrift Pan-Europa« (Wien–Leipzig), heraus. Er unternahm Vortragsreisen durch Europa und die USA und knüpfte zahlreiche internationale Kontakte. Von Anfang an wurde er in seinen paneuropäischen Aktivitäten von seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) unterstützt. 1926 fand der erste Europäische Kongress der »Paneuropa-Union« in Wien statt, in dessen Folge es zur Bildung des »Europäischen Zentralrats« aus den Vorsitzenden der nationalen Organisationen kam; Coudenhove-Kalergi wurde zum Präsidenten der »Paneuropa-Union« gewählt und war auch Vorsitzender der paneuropäischen Kongresse in Wien 1928, Berlin 1930, Basel 1932 und Wien 1935. Im September 1929 kam es auf Initiative der französischen Regierung zur Paneuropa-Debatte vor dem Völkerbund-Plenum in Genf/Genève (Genf). Seit 1934 unterstützte Coudenhove-Kalergi das Ständestaatregime und die Mussolini-Diktatur in Italien in deren Kampf gegen den Nationalsozialismus.
Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi flüchtete mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) im März 1938 über die Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Italien in die Schweiz. Hier errichtet er in Bern das neue Zentrum der »Paneuropa-Union«, welches später nach Genf verlegt wurde. 1938 bis 1940 gab Coudenhove-Kalergi dessen Zeitschrift, »Europäische Briefe« (Bern, seit 1940 Genf) beziehungsweise »Lettre européenne adressée aux membres de l’Union paneuropéenne« (Berne, seit 1940 Genève), herausgab.
1939 emigrierte Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) nach Frankreich, dessen Staatsbürgerschaft er 1939 annahm. Paris wurde neuer Sitz des Zentrums der »Paneuropa-Union«. Er arbeitete eng mit Otto Habsburg-Lothringen (1912–) zusammen und beteiligte sich am Versuch, eine österreichische Exilregierung in Paris zu bilden.
Im Juni 1940 flüchtete Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) über Spanien und Portugal, wo er kurzzeitig in Lissabon (Lisboa) lebte, in die USA, wo er sich in New York (New York) niederließ. Er arbeitete mit den österreichischen Legitimisten (Monarchisten) und Vertretern des Ständestaates zusammen, führte aber auch Verhandlungen mit Vertretern der österreichischen Sozialdemokratie. 1941 versuchte er vergebens, eine österreichische Exilregierung unter seinem Vorsitz zu bilden, im Herbst 1941 verfasste er die Denkschrift »Austrian Independence in the Light of the Atlantic Charter«. 1941 bis 1944 war Coudenhove-Kalergi Lecturer (Lehrbeauftragter) und Leiter eines neugegründeten Forschungsseminars zur europäischen Nachkriegsföderation, 1944 bis 1946 Professor für Geschichtswissenschaft an der New York University. Im März 1943 fand der 5. Paneuropa-Kongress in New York statt. Unmittelbar nach Kriegsende unternahm er eine Propagandareise für die »Paneuropa-Union« durch die USA, 1946 durch Europa.
1946 ließ sich Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) in der Schweiz nieder. Hier gründete er 1947 die »Europäische Parlamentarier-Union«, deren Generalsekretär er wurde. 1952 fusionierte er die »Europäische Parlamentarier-Union« mit der Parlamentarischen Gruppe der »Europäischen Bewegung« zum Parlamentarischen Rat der »Europäischen Bewegung« und wurde deren Generalsekretär sowie einer der Ehrenpräsidenten und 1954 – als einziger Nichtparlamentarier – Mitglied auf Lebenszeit. Die in den Jahren 1952 bis 1954 reorganisierte »Paneuropa-Union« hatte zunächst ihren Sitz in Basel, seit 1965 in Brüssel (Bruxelles). Aus Protest gegen die Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von François Mitterand (1916–1996) durch die »Europäische Bewegung« legte er seine Ehrenpräsidentschaft nieder. In den letzten Lebensjahren stand Coudenhove-Kalergi der europapolitischen Konzeption des Rechtskonservativen Franz Josef Strauß (1915–1988) nahe.
geb. Tokio (Tōkyō), 16. November 1894
gest. Schruns, Vorarlberg, 27. Juli 1972
Schriftsteller und Politiker, Gründer der Paneuropa-Bewegung
http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Coudenhove_Kalergi_Richard_Nikolaus_Bild_sma ll.jpg
Richard Nikolaus Graf Coudenhove, Sohn des Diplomaten und Schriftstellers Heinrich Johann Marie Grafen von Coudenhove (seit 1903: Coudenhove-Kalergi; 1859–1906) und der aus altem japanischem Geschlecht stammenden Maria Thekla Coudenhove, geborene Mitsu Aoymama (1874–1941), sowie Bruder der Schriftstellerin Ida Friederike (bis 1919: Gräfin) Coudenhove-Kalergi, verheiratete Görres (1901–1971), wuchs in Böhmen auf Schloss Ronsperg (Poběžovice, Tschechische Republik) auf und besuchte die Schulen in Pilsen (Böhmen; Plzeň, Tschechische Republik) und Brixen (Tirol; Brixen / Bressanone, Italien), schließlich 1903 bis 1913 das Theresianum in Wien. Anschließend studierte er Philosophie und Geschichte an den Universitäten Wien und München und wurde 1917 an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.) promoviert. Seit 1917 war er als Journalist bei österreichischen und deutschen Zeitungen wie Zeitschriften in Wien tätig, nahm aber 1919 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. 1922 wurde er Mitglied der Freimaurer (Loge »Humanität«, Wien).
1923 gründete Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi die »Paneuropa-Union« mit Sitz in Wien; Ziel war der politische Zusammenschluss der europäischen Staaten unter Ausschluss der Sowjetunion. Seit 1924 gab er deren Organ, »Zeitschrift Pan-Europa« (Wien–Leipzig), heraus. Er unternahm Vortragsreisen durch Europa und die USA und knüpfte zahlreiche internationale Kontakte. Von Anfang an wurde er in seinen paneuropäischen Aktivitäten von seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) unterstützt. 1926 fand der erste Europäische Kongress der »Paneuropa-Union« in Wien statt, in dessen Folge es zur Bildung des »Europäischen Zentralrats« aus den Vorsitzenden der nationalen Organisationen kam; Coudenhove-Kalergi wurde zum Präsidenten der »Paneuropa-Union« gewählt und war auch Vorsitzender der paneuropäischen Kongresse in Wien 1928, Berlin 1930, Basel 1932 und Wien 1935. Im September 1929 kam es auf Initiative der französischen Regierung zur Paneuropa-Debatte vor dem Völkerbund-Plenum in Genf/Genève (Genf). Seit 1934 unterstützte Coudenhove-Kalergi das Ständestaatregime und die Mussolini-Diktatur in Italien in deren Kampf gegen den Nationalsozialismus.
Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi flüchtete mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) im März 1938 über die Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Italien in die Schweiz. Hier errichtet er in Bern das neue Zentrum der »Paneuropa-Union«, welches später nach Genf verlegt wurde. 1938 bis 1940 gab Coudenhove-Kalergi dessen Zeitschrift, »Europäische Briefe« (Bern, seit 1940 Genf) beziehungsweise »Lettre européenne adressée aux membres de l’Union paneuropéenne« (Berne, seit 1940 Genève), herausgab.
1939 emigrierte Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) nach Frankreich, dessen Staatsbürgerschaft er 1939 annahm. Paris wurde neuer Sitz des Zentrums der »Paneuropa-Union«. Er arbeitete eng mit Otto Habsburg-Lothringen (1912–) zusammen und beteiligte sich am Versuch, eine österreichische Exilregierung in Paris zu bilden.
Im Juni 1940 flüchtete Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) über Spanien und Portugal, wo er kurzzeitig in Lissabon (Lisboa) lebte, in die USA, wo er sich in New York (New York) niederließ. Er arbeitete mit den österreichischen Legitimisten (Monarchisten) und Vertretern des Ständestaates zusammen, führte aber auch Verhandlungen mit Vertretern der österreichischen Sozialdemokratie. 1941 versuchte er vergebens, eine österreichische Exilregierung unter seinem Vorsitz zu bilden, im Herbst 1941 verfasste er die Denkschrift »Austrian Independence in the Light of the Atlantic Charter«. 1941 bis 1944 war Coudenhove-Kalergi Lecturer (Lehrbeauftragter) und Leiter eines neugegründeten Forschungsseminars zur europäischen Nachkriegsföderation, 1944 bis 1946 Professor für Geschichtswissenschaft an der New York University. Im März 1943 fand der 5. Paneuropa-Kongress in New York statt. Unmittelbar nach Kriegsende unternahm er eine Propagandareise für die »Paneuropa-Union« durch die USA, 1946 durch Europa.
1946 ließ sich Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit seiner Frau Ida Roland (http://agso.uni-graz.at/marienthal/bibliothek/biografien/07_04_Roland_Ida_Biografie.htm) in der Schweiz nieder. Hier gründete er 1947 die »Europäische Parlamentarier-Union«, deren Generalsekretär er wurde. 1952 fusionierte er die »Europäische Parlamentarier-Union« mit der Parlamentarischen Gruppe der »Europäischen Bewegung« zum Parlamentarischen Rat der »Europäischen Bewegung« und wurde deren Generalsekretär sowie einer der Ehrenpräsidenten und 1954 – als einziger Nichtparlamentarier – Mitglied auf Lebenszeit. Die in den Jahren 1952 bis 1954 reorganisierte »Paneuropa-Union« hatte zunächst ihren Sitz in Basel, seit 1965 in Brüssel (Bruxelles). Aus Protest gegen die Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von François Mitterand (1916–1996) durch die »Europäische Bewegung« legte er seine Ehrenpräsidentschaft nieder. In den letzten Lebensjahren stand Coudenhove-Kalergi der europapolitischen Konzeption des Rechtskonservativen Franz Josef Strauß (1915–1988) nahe.